

Updated:
Published:
February 18, 2026
Technische Schulden in Apps abbauen – Schritt für Schritt erklärt
Technische Schulden sind ein Thema, das in vielen App-Projekten lange ignoriert wird – bis sie plötzlich zum echten Problem werden. Features brauchen immer länger, Bugs häufen sich und selbst kleine Änderungen fühlen sich riskant an. Trotzdem sind technische Schulden kein Zeichen schlechter Arbeit. Sie entstehen fast zwangsläufig, wenn Produkte wachsen und sich Anforderungen ändern.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob technische Schulden entstehen, sondern wie man mit ihnen umgeht. In diesem Artikel zeigen wir praxisnah, wie Unternehmen technische Schulden in Apps erkennen, abbauen und langfristig vermeiden können – Schritt für Schritt.
Was sind technische Schulden – und warum werden sie gefährlich?
Technische Schulden entstehen, wenn bei der Entwicklung bewusst oder unbewusst Kompromisse eingegangen werden. Ein schneller Workaround ersetzt eine saubere Lösung, ein Feature wird ohne Tests ausgeliefert oder eine Architekturentscheidung wird nie hinterfragt.
Kurzfristig spart das Zeit. Langfristig entstehen jedoch „Zinsen“, die sich unter anderem so bemerkbar machen:
- Neue Features dauern deutlich länger als geplant
- Fehler treten häufiger auf und sind schwer reproduzierbar
- Updates (z. B. neue iOS- oder Android-Versionen) werden riskant
- Entwickler meiden bestimmte Codebereiche vollständig
Gerade bei Apps, die aktiv weiterentwickelt werden, kann dieser Zustand schnell zum Wachstumshemmnis werden.
Typische Ursachen für technische Schulden in Apps
In der Praxis lassen sich technische Schulden meist auf wenige wiederkehrende Ursachen zurückführen.
Produkt- und Zeitdruck
Viele Schulden entstehen durch kurzfristige Entscheidungen. Ein Release muss fertig werden, ein Kunde wartet, das Budget ist begrenzt. Refactoring wird verschoben – oft ohne konkreten Plan, wann es nachgeholt wird.
Technologie- und Architekturentscheidungen
Veraltete Libraries, fehlende Modultrennung oder zu enge Kopplung zwischen Frontend und Backend machen Apps schwer wartbar. Besonders relevant ist hier die grundlegende Architekturfrage, etwa die Entscheidung zwischen nativer Entwicklung und Cross-Platform-Ansätzen (siehe auch: Native App vs. Web App).
Fehlende Prozesse
Ohne klare Code-Reviews, automatisierte Tests oder eine stabile CI/CD-Pipeline wachsen technische Schulden fast automatisch – selbst bei erfahrenen Teams.
Schritt 1: Technische Schulden sichtbar machen
Der größte Fehler im Umgang mit technischer Schuld ist, sie nicht explizit zu benennen. Solange technische Schulden nur „gefühlt“ existieren, lassen sie sich weder priorisieren noch abbauen.
Bewährt hat sich eine Kombination aus drei Perspektiven:
- Code-Ebene: Komplexität, Duplikate, Abhängigkeiten, fehlende Tests
- Betrieb: Crash-Raten, Performance-Probleme, Support-Tickets
- Team-Wissen: Module, die als riskant oder unangenehm gelten
Aus diesen Informationen entsteht ein konkretes Tech-Debt-Backlog – idealerweise strukturiert nach Risiko, Impact und grobem Aufwand. So wird aus einem diffusen Problem eine planbare Aufgabe.
Schritt 2: Priorisieren wie ein Produktmanager
Nicht jede technische Schuld ist gleich kritisch. Der Versuch, alles gleichzeitig zu beheben, führt meist zu Stillstand.
Eine sinnvolle Priorisierung orientiert sich an Fragen wie:
- Blockiert das Thema zukünftige Features?
- Besteht ein Sicherheits- oder Stabilitätsrisiko?
- Hat es direkten Einfluss auf Nutzererlebnis oder Umsatz?
So lassen sich Maßnahmen identifizieren, die schnell Wirkung zeigen, statt Ressourcen in wenig relevante Baustellen zu investieren.
Schritt 3: Quick Wins nutzen, um Fortschritt sichtbar zu machen
Gerade am Anfang ist es wichtig, Vertrauen zu schaffen – im Team und bei Stakeholdern. Quick Wins sind dafür ideal. Dazu gehören zum Beispiel:
- Entfernen von totem Code und alten Feature-Flags
- Aktualisierung kritischer Abhängigkeiten
- Vereinfachung besonders fehleranfälliger Logik
- Stabilisierung von Build- und Deployment-Prozessen
Diese Schritte reduzieren Risiken sofort und schaffen eine bessere Basis für größere Refactorings.
Schritt 4: Refactoring strategisch angehen – kein Big Rewrite
Ein kompletter Neuaufbau der App klingt oft verlockend, ist aber selten die beste Lösung. Rewrites sind teuer, riskant und verzögern den Produktfortschritt erheblich.
Stattdessen hat sich ein schrittweiser Ansatz bewährt:
- kritische Module isolieren
- klare Schnittstellen definieren
- alte Komponenten schrittweise ersetzen
Besonders wichtig ist dabei eine saubere API-Strategie (siehe auch: Was ist eine REST API?), um Abhängigkeiten kontrollierbar zu halten.
Schritt 5: Qualität absichern, damit keine neuen Schulden entstehen
Technische Schulden lassen sich nur nachhaltig abbauen, wenn neue nicht ständig hinzukommen. Dafür braucht es keine perfekte Testabdeckung, sondern ein realistisches Minimum:
- automatisierte Tests für Kernfunktionen
- verbindliche Code-Reviews
- klare Qualitätschecks in der CI/CD-Pipeline
So werden Probleme früh erkannt und nicht erst im Live-Betrieb.
Schritt 6: Technische Schulden fest einplanen
Ein häufiger Fehler ist, technische Schulden „nebenbei“ abbauen zu wollen. In der Realität funktioniert das kaum. Erfolgreiche Teams planen bewusst Zeit dafür ein, zum Beispiel:
- einen festen Anteil pro Sprint
- separate Tasks für technische Verbesserungen
- regelmäßige Wartung Phasen
Damit wird die technische Qualität Teil der Produktstrategie – nicht ein Dauer-Notfall.
Schritt 7: Regeln definieren, um Rückfälle zu vermeiden
Langfristig helfen klare Leitplanken:
- eine saubere Definition of Done
- bewusste Architekturentscheidungen
- Dokumentation wichtiger technischer Entscheidungen
Gerade bei wachsenden App-Projekten lohnt es sich, diese Themen gemeinsam mit einer erfahrenen App-Entwicklung Agentur zu strukturieren, um technische Schulden frühzeitig zu kontrollieren.
Fazit: Technische Schulden sind kein Makel – sondern eine Managementaufgabe
Technische Schulden lassen sich nicht vollständig vermeiden. Entscheidend ist, ob sie ignoriert oder aktiv gemanagt werden. Unternehmen, die früh Transparenz schaffen, priorisieren und kontinuierlich investieren, profitieren von stabileren Apps, schnelleren Releases und geringeren langfristigen Kosten.
Wer technische Schulden Schritt für Schritt abbaut, schafft die Grundlage für nachhaltige Weiterentwicklung – statt ständig gegen die eigene Codebasis zu arbeiten.


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